Aus der älteren Zeit besitzen wir keine Karten von Hamburg und Umgebung, auch die um 16. und 17. Jahrhundert gezeichneten Ansichten von Hamburg aus der Vogelperspektive geben nur ein unvollkommenes Bild, da indessen seit der letzten Zerstörung im Jahre 1072 bis zum großen Brand von 1842 die Straßen und öffentlichen Gebäude ihre Lage nicht verändert haben, so zeigt ein auf Vermessung beruhender Plan von Hamburg auch die älteren Gebäude und Straßen an der richtigen Stelle. Allerdings hat die trigonometrische Vermessung der Stadt erst 1845 begonnen, aber die Brandstätte ist 1842 geometrisch aufgemessen worden, und diese Vermessung ergänzt den jetzigen. Plan genügend für historische Arbeiten. Wenn man also die räumliche Entwicklung Hamburgs ohne wesentliche Fehler kartographisch darstellen will, so muß man den vom Vermessungsbüro veröffentlichen Plan von Hamburg unter Benutzung der Vermessung von 1842 zur Grundlage nehmen, und wenn die vorliegenden Kartenblätter von den früheren Versuchen mehr oder weniger abweichen, so hat das darin seinen Grund, daß den betreffenden Verfasser richtige Pläne von Hamburg noch nicht zu Gebote standen.
Seitdem die Städte für die Errichtung und Unterhaltung ihrer Befestigung selbst sorgen mußten, suchten sie eine Erweiterung der Stadtmauern so lange als möglich aufzuschieben und schafften in anderer Weise für die wachsende Bevölkerung Raum. Die räumliche Entwicklung der Städte fällt daher mit der Anlage neuer Befestigungen zusammen und dies ergibt für Hamburg etwa sechs Perioden, welche in den folgenden Blättern dargestellt sind. Die Zeit vor 1072 kann jedoch keine Berücksichtigung finden, da über den Umfang der Stadt und über die Lage der Straßen in jener Zeit bis jetzt eigentlich nur Vermutungen vorliegen.
Nachdem 1111 die Grafschaften Holstein und Stormarn dem Grafen Adolf von Schauenburg verliehen worden, und dieser die Grenzen gegen die Raubzüge der Slawen und Dänen gesichert hatte, konnte auch Hamburg wieder aufgebaut werden. Die neuen Bewohner waren hauptsächlich Handwerker denen die südwestliche Hälfte der Stadt angewiesen wurde, und denen die Straßen ihre Namen verdanken, einige Kaufleute mögen sich in der Reichenstraße niedergelassen haben, die nördliche Hälfte war für den Dienst der Kirche bestimmt. Wir finden hier den Dom, als Metropolitankirche des Erzbistums, und die Petrikirche, als Pfarrkirche der Stadt, umgeben von den Domkurien, den Wohnungen der Domherren. Im Osten war die Stadt durch den heidnischen Wall, im Nordwesten durch die Alster begrenzt und im Süden war sie durch einen Graben von der Elbmarsch, dem Brok, getrennt. Wegen Anlage der Niedermühle war die Alster zu einem Mühlenteich aufgestaut und daher die Landstraße, jetzt großer Burstah, zu einem Damm erhöht worden. Um die Mitte des 12.Jahrhunderts wird die alte Stadt größtenteils bebaut gewesen sein.
Gegen Ende des Jahrhunderts, 1187 oder 1188, gründete Adolf III. Am rechten Ufer der Alster eine neue Stadt, Neu-Hamburg, das jetzige Nikolaikirchspiel, und befestigte dieselbe durch eine Mauer an der West- und Südseite. Ein Hafen wurde neben der Neuenburg in der Alster angelegt. In der neuen Stadt siedelten sich hauptsächlich Kaufleute und Bierbrauer an, weshalb die Straßen nicht nach Handwerkern benannt wurden. Als Stadtpfarrei wurde die Nikolaikirche gegründet. Jede der beiden Städte hatte ihr Rathaus, ihren Ratsweinkeller, ihre Salzkanne, ihren Fleisch- und Brotschrangen etc. Etc. , doch ist deren Lage so unsicher bestimmt, daß diese Gebäude nicht eingetragen werden konnten. Die neue Stadt bevölkerte sich sehr rasch, so daß die Hauptstraßen (der Rödingsmarkt, die Deichstrasse der Hopfenmarkt und die Neueburg) um 1200 schon bebaut gewesen sein werden.
Unter der dänischen Herrschaft, 1201 bis 1225, vergrößerte sich die Stadt durch neue Ansiedler im Katharinen- und Jakobikirchspiel. Infolgedessen war aber die Befestigung der Stadt ganz ungenügend worden, und als gegen die Mitte des 13. Jahrhunderts von Dänemark neue Kriegsgefahren drohten, vereinigten sich die beiden Städte zur Errichtung einer gemeinschaftlichen Mauer, welche auch das Katharinen- und Jakobikirchspiel umschloß. In dieser Periode entstanden mehrere geistliche Stiftungen: das Marien- Magdalenenkoster, das Johanniskloster, der Convent und das von den Franziskanern gegründete Heiligengeist-Hospital. Außerhalb der Stadt lag das von Adolf III. gegründete St. Georgs-Hospital. Die Schauenburger Grafen legten eine zweite Alstermühle, die Obermühle an, weshalb der obere Teil der Alster noch höher aufgestaut und ein neuer Damm, der Reesendamm, jetzt Jungfernstieg, durch die Alster aufgeschüttet werden mußte, wodurch das Alsterbecken in die kleine und große Alster geteilt wurde.
Drei Jahrhunderte behielt die Stadt fast unverändert diesen Umfang, während sie sich im Inneren bedeutend entwickelte. Die beiden getrennten Gemeinwesen vereinigten sich zu einer Stadt, mit einem Rathaus, einer Gerichtsbank (Niedergericht), einem Ratsweinkeller etc. Um für die wachsende Bevölkerung Raum zu schaffen, wurden die Gärten in der Stadt und die noch freien Wasserseiten in der Reichen-, Gröninger-, Katharinen- und Deichstrasse, im Grimm und Cremon etc. bebaut, und die ursprünglich einstöckigen Häuser allmählich mit zwei, drei und vier Stockwerken versehen, aber außerhalb der Ringmauern durfte niemand wohnen. Die Einführung der Feuerwaffen erforderte schon im 15. Jahrhundert eine Veränderung der Befestigung, denn die schwachen Mauern konnten den Kanonenkugeln keinen genügenden Widerstand leisten, weshalb vor den Mauern an der Ostseite Erdwälle aufgeworfen wurden. Aber die Fortschritte in der Kriegswissenschaft nötigten die Hamburger im 16. Jahrhundert, AUCH AN DER Westseite hohe Wälle zu errichten und daher einen Teil der kleinen Alster zuzuschütten. Um auch die Südseite besser zu schützen, wurde infolge des schmalkaldischen Krieges 1547 ein Teil des Broks, welcher bisher zu Schiffswerften, Kalköfen, Tuchrahmen und Gärten benutzt worden war, mit einem Wall umgeben und zur Stadt gezogen. Infolge der schnellen Zunahme der Bevölkerung wurde dieser neue Stadtteil sehr bald bebaut.
Allein die Kriegswissenschaft stand nicht still, und trotzdem Hamburg im 16. Jahrhundert so bedeutende Summen auf die Verbesserung der Festungswerke verwendet hatte, waren dieselben im Anfang des 17. Jahrhunderts abermals so ungenügend, daß sie gegen feindliche Angriffe keinen Schutz gewährten und ein gänzlicher Umbau dringend erforderlich war. Der Ausbruch des dreißigjährigen Krieges beschleunigte die Beratungen und führte zur Genehmigung eines großartigen Planes, wodurch ein bedeutender Teil des Hamburger Berges in die Festungslinie hineingezogen und der bisherige Flächeninhalt der Stadt mehr als verdoppelt wurde. Die neuen Festungswerke von 1620 bis 1626 waren in der Hauptsache vollendet, als der Krieg sich auch über Norddeutschland ausbreitete. Jetzt zeigte es sich, wie weise die Hamburger gehandelt hatten, für den Neubau ihrer Festungswerke so große Opfer zu bringen, denn die Stadt war eine so starke Festung geworden, daß sie von allen feindlichen Angriffen verschont blieb. Von allen Seiten kamen Flüchtlinge hierher, um Leben und Eigentum in Sicherheit zu bringen, und um die Mitte des 17.Jahrhunderts war bereits mehr als die Hälfte der Neustadt bebaut. Durch den Wall wurde die große Alster in die Binnen- und Außenalster geteilt, und die kleine Alster konnte jetzt allmählich noch weiter zugeschüttet und zu neuen Strassenanlagen benutzt werden.
Im 17. und 18. Jahrhundert hat Hamburg auf den Ausbau und die Erweiterung seiner Festungswerke noch bedeutende Summen verwendet, doch allmählich gewann die Erkenntnis immer mehr Anhänger, das infolge der veränderten Kriegsführung die Wälle mehr eine Gefahr als einen Schutz für Hamburg bildeten, und bereits im Anfang dieses Jahrhunderts wurde von Rat und Bürgerschaft die Entfestigung beschlossen. Die französische Besatzung verzögerte die Ausführung des Beschlusses, aber sobald die Hamburger sich von den Drangsalen der Fremdherrschaft einigermaßen erholt hatten, beschlossen sie 1820 die Entfestigung ernstlich in Angriff zu nehmen. Die Bastionen wurden abgetragen und wie der Wall in Gartenanlagen verwandelt, der Stadtgraben erhielt die Form einer Schlangenlinie und diente als Grenze der inneren Stadt. In der Stadt traten nur geringe Veränderungen ein, die Esplanade und der neue Jungfernstieg wurden angelegt und bald bebaut. Die Abtragung der Wälle war 1826 eigentlich vollendet, aber der Abruch einiger alter Festungstore und die Bebauung der neuen Straßen erforderte noch einige Jahre, so daß die Umgestaltung der Stadt um 1830 durchgeführt war.
Alle sechs Karten sind in demselben Maßstab 1 : 12000 gezeichnet, wodurch eine Vergleichung des Umfangs der Stadt in den verschiedenen Perioden sehr erleichtert wird. Diese bedeutende Entwicklung verdankt Hamburg aber nicht der Gunst und Bevorzugung von Fürsten, sondern der Tatkraft und Einsicht seiner Bürger.